Patientenbericht Günter Lilge

„Ich lebe jetzt viel bewusster, dankbarer und intensiver!“

Am 21.07.1994 wurde ich im Herzzentrum Bad Oeynhausen herztransplantiert. In der 16-monatigen Wartezeit verschlimmerte sich mein Zustand so sehr, dass ich wochenlang immer wieder auf Intensivstationen behandelt werden musste oder, wieder einmal nach Hause entlassen, ein Leben im Rollstuhl führte. Eine gleichzeitige Periarthritis, sehr schmerzhaft im linken Schultergelenk, machte das Leben Tag und Nacht unerträglich.

Nach der Transplantation fühlte ich mich zunächst sehr geschwächt und erschöpft, aber dieser Zustand verbesserte sich von Tag zu Tag. Es war erstaunlich, wie schnell sich der Körper erholte; auch die Schmerzen im Arm waren verschwunden. Nach vier Wochen wurde ich probeweise zum Wochenende entlassen. Die Kontrolle durch eine Biopsie am Wochenanfang ergab, dass ich endgültig nach Hause konnte.

Von da an ging es mit meiner Gesundheit steil bergauf. Die zunächst engmaschigen Kontrollen im Herzzentrum bestätigten das. Ich konnte mich wieder ohne fremde Hilfe im Alltag bewegen, Treppen ohne Mühe steigen und größere Spaziergänge ohne Luftnot unternehmen. Das war ein Glückgefühl, das man mit Worten nicht beschreiben kann.

Nach wenigen Wochen nahm ich vorsichtig wieder meine Arbeit auf, doch im Umgang mit vielen Menschen war ich im ersten Jahr noch sehr zurückhaltend. Von Monat zu Monat traute ich mir mehr zu,  meist in Absprache mit dem Herzzentrum oder dem Hausarzt. Nach einem halben Jahr – der erste Winter postoperativ – probierte ich wieder Skilanglauf und war begeistert, wie gut das ging. Auf dem Rückweg besuchte ich meinen Transplanteur Herrn Dr. Posival in Karlsruhe und der freute sich über meine gesunde Gesichtsfarbe und meine Mobilität. Mein Vertrauen zu dem mir geschenkten Herzen wurde von Tag zu Tag größer.

Nachdem ich in den letzten zehn Jahren vor der Transplantation immer hinfälliger geworden war, erlebte ich jetzt eine Renaissance, die vieles wieder möglich machte, was mir vorher versagt war. Ein völlig neues Leben begann für mich. Ich konnte die Enkel, wenn sie mich begrüßten, wieder hochheben, mit ihnen spielen, meiner Frau im Haus und Garten helfen, wieder selbst Auto fahren, mit unseren Freunden feiern, Veranstaltungen besuchen und vieles mehr; natürlich alles mit Maß.

Im ersten Jahr gab es einige Abstoßungskomplikationen, die, rechtzeitig erkannt, vom Herzzentrum ohne Probleme therapiert werden konnten. Ein einziges Mal wurde ich mit dem Krankenwagen nach Oeynhausen geholt, aber nach einigen Tagen wieder entlassen. Die halbjährigen, lebenslänglichen Kontrollen im Herzzentrum sind für mich immer eine Beruhigung und geben mir Sicherheit. Die ebenfalls lebenslängliche Medikation ist ein notwendiges Übel, an das man sich aber rasch gewöhnt. Je disziplinierter die Einnahme, desto besser der Schutz für das Herz.

Bis zum fünften Jahr gab es jährlich immer noch eine Steigerung meiner Kondition, dann hatte ich eine Normalität erreicht, die einem altersgleichen Gesunden entspricht. So verbringe ich einen sehr glücklichen Lebensabend im Kreise meiner inzwischen großen Familie ohne Einschränkungen; ich kann wieder alles, was andere auch können: Schwimmen, Radfahren, Wandern, Langlauf-Ski, Tanzen, Arbeiten im Beruf, im Haus, im Garten, für Kinder, für Fremde.

Ich bin dem Menschen, ob Frau ob Mann, die /der mir das Herz spendete, unendlich dafür dankbar. Wie schön, dass es Menschen gibt, die über ihren Tod hinaus noch an das Wohlergehen ihres Nächsten denken – uneigennützig, ohne Profit.

Achteinhalb Jahre – führe ich ein aktives und kreatives Leben – wie selten zuvor – und lebe viel bewusster, dankbarer und intensiver. Das Geschenk eines großzügigen Menschen und die Kunst unserer Medizin machen es möglich. Gott sei Dank dafür.

Günter Lilge

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