Interview mit Herrn Herfert, zu seiner Teilnahme am 24 Stunden Radrennen in Zandvoort, als erster Kunstherzpatient.

Lieber Herr Herfert,

vor fast 2,5 Jahren haben Sie unerwartet einen starken Herzinfarkt erlitten. Ihr Herz wurde dabei so beschädigt, dass Ihnen mit einer klassischen Herzoperation nicht mehr geholfen werden konnte. Sie wurden in das Evangelische Krankenhaus in Duisburg-Nord verlegt in der Hoffnung, dass Sie die Implantation von einem Herzunterstützungssystem (VAD) noch retten kann. Während der Operation ist aber festgestellt worden, dass für Ihr Herz nichts mehr getan werden konnte. Sie brauchten ein neues Herz. Da ein Spenderherz zu der Zeit nicht zur Verfügung stand, war die einzige Chance zum Überleben die Implantation eines Kunstherzens.

Von diesem ganzen Geschehen kriegten Sie nichts mit, da Sie während des Geschehens in Wachkoma waren. Wie war es für Sie, als Sie erst nach der Operation erfahren haben was alles passiert ist?

Na ja, auf der Intensivstation habe ich das Ganze erst mal nur ganz langsam mitgekriegt. Der Gedanke, dass ich kein eigenes Herz habe und anstatt dessen eine Maschine im meiner Brust schlägt und ich trotzdem lebe, war schon gewöhnungsbedürftig. Der nächste Schock war die Mitteilung der behandelnden Schwester: „Herr Herfert, das mit dem Duschen können Sie erst mal vergessen!“ Das brachte mich zum Nachdenken. Aufgrund der langen Liegezeit baute sich meine Muskulatur ab und ich konnte mich kaum bewegen…Sollte das jetzt mein Leben sein? Mit einer Maschine in der Brust auf dem Bett gefesselt und dann auch noch kein Duschen?!… Die Welt ist für mich zusammengebrochen.

Diese Zeit war sehr hart. Dass ich es durchgestanden habe, lag nur an der großartigen Unterstützung meiner Ehefrau, Familie, Freunde sowie des Ärzte- und Pflegeteams. Sie alle haben mich physisch und psychisch unermüdlich motiviert zu begreifen, dass das Leben weitergeht und das es sich lohnt weiter zu kämpfen. Dafür möchte ich an dieser Stelle allen danken! Ohne diese Unterstützung wäre ich sicherlich nicht mehr hier.

Mittlerweile habe ich mich meiner Situation gut angepasst und mich in den Alltag so gut wie möglich integriert. Ich habe sogar meinen Job als IT-Experte wiederaufnehmen können und arbeite von zu Hause aus.

Das Kunstherz verursacht ein relativ lautes Klappergeräusch. Hören Sie das noch?

Nicht wirklich. Mit der Zeit habe ich mich daran auch gewöhnt und nehme es kaum noch wahr. Nur manchmal vor dem Fernseher, stört es doch noch ein bisschen.

Viele Menschen verbinden das eigene Herz mit Gefühlen und Liebe. Hat sich in dieser Hinsicht nach der Operation bei Ihnen etwas verändert?

Nein, ich denke die Verbindung „Herz und Gefühle/Seele/Liebe“ ist eher bildlich zu sehen, jedenfalls spüre ich keinen Unterschied.

Das Kunstherz ist bei Ihnen nur eine Übergangslösung, sog. Bridge-to-Transplant Therapie, bis Sie ein Spenderherz bekommen. Der Mangel an Organspendebereitschaft in Deutschland ist uns allen bekannt und wird oft auch in Medien diskutiert. Sie geben die Hoffnung aber nicht auf. Um ein Zeichen zu setzten und die Öffentlichkeit auch persönlich für das Thema Organspende zu sensibilisieren, haben Sie im Juni 2017 als erster Fahrradfahrer mit einem Kunstherz in der Veranstaltungsgeschichte am 24-Stündgen Cycling Marathon in holländischen Zandvoort teilgenommen. Haben Sie vor der Implantation auch schon aktiv Fahrrad gefahren?

Ja, als Jugendlicher ganz viel. Nach dem ich den Führerschein gemacht habe wurde es weniger. Dann kam auch noch Motorrad dazu und das Fahrrad verlor zunehmend die an Attraktivität.

Sie haben aber trotzdem an einem Fahrradrennen teilgenommen. Haben Sie für dafür dann extra trainiert?

Nein nicht unbedingt. Es wurde mir gesagt ich soll soviel fahren wie ich kann. Somit habe ich mir kein Stress damit gemacht. Nichts desto trotz habe ich entgegen allen Erwartungen 10 Runden je 4,3 km in drei Staffeln geschafft.

Das ist tatsächlich unter diesen Umständen eine stolze Leistung! Wie haben Sie diese körperliche Herausforderung mit Ihrem künstlichen Herz bewältigt?

Auch besser als ich erwartet hatte. Nicht zuletzt dank einer guten logistischen Vorbereitung bezüglich meiner technischen Ausstattung (Wechsel von Batterien, etc..) klappte alles wirklich sehr gut.

Wie hat Ihnen die ganze Veranstaltung gefallen?

Es war ein einmaliges Erlebnis. Auf der ganzen Anlage herrschte nur gute Stimmung, die der Veranstaltung ein außergewöhnliches Flair verliehen hat. Überall hat man nur gut gelaunte, hilfsbereite und nette Leute getroffen. Diese Stimmung, der unglaubliche Leistungsehrgeiz und Teamzusammenhalt motivierte, trotz der Schmerzen in gewissen Körperteilen, immer wieder auf das Fahrrad zu steigen. Sogar auf der Rennstrecke wurde man immer wieder von vorbeifahrenden „Mitstreitern“ angefeuert weiter zu machen und durchzuhalten.

Machen Sie nächstes Jahr wieder mit?

Wenn es mein Gesundheitszustand erlaubt, auf jeden Fall! Meine Hoffnung ist, dass ich dann aber schon mit einem Spenderherz fahre.

Der Bridge2Life Verein wünscht Ihnen das gleiche und bedankt sich für dieses Interview. Möchten Sie unseren Lesern vielleicht noch etwas mit auf den Weg geben?

Ich möchte allen ans Herz legen, sich mit dem Thema Organspende tatsächlich auseinander zu setzten, bevor es zu spät ist. Es kostet kein Geld und tut auch nicht weh. Bedauerlicherweise macht die Presse zu diesem Thema eher negative Werbung als positive, um einfach ihre Schlagzeilen zu bekommen. Somit hat die Organspende in den letzten Jahren einen negativen Touch bekommen, was zu einer drastischen Senkung der Organspendebereitschaft geführt hat. Wir sollten aber nicht vergessen, dass diese Problematik uns alle betrifft.

Es kann nämlich jederzeit und jedem passieren, dass man selber, die Familie oder die Freunde sich plötzlich in einer Bedarfssituation befinden – so wie es bei mir war…

Organspende rettet Leben! Dafür gibt es zahlreiche Beispiele!

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