Transplantation

Herztransplantation

Die Herztransplantation ist weiterhin der goldene Standard in der Therapie der terminalen Herzinsuffizienz. Seit 1963 wurden in Deutschland über 100.000 Organtransplantationen, davon mehr als 10.000 Herztransplantationen, durchgeführt.

2010 Transplantationen ab 1963 2010 Ueberlebensraten

Insbesondere durch die Entwicklung von relativ nebenwirkungsarmen Immunsuppressiva zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen sind die Überlebensraten in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Das erste Jahr überleben ca. 80 % der Patienten, nach 10 Jahren leben noch ca. 66 %.

Geschichtliche Entwicklung

1959: erste erfolgreiche Herztransplantation beim Hund

1964: erste Xenotransplantation (Schimpansenherz)

1967: erste orthotope Herztransplantation weltweit durch Prof. Barnard

1969: erste orthotope Herztransplantation in Deutschland (Prof. Sebening)

1976: Entdeckung des Cyclosporins (Medikament gegen Abstoßung)

1990: von 2.700 Transplantationen in Deutschland wurden 450 Herzen transplantiert

Indikation

Für eine Herztransplantation kommen Patienten in Frage die unter einer irreversiblen terminalen Herzinsuffizienz leiden und in Folge dessen eine Lebenserwartung von maximal 12 Monaten bzw. eine 1-Jahres-Überlebensrate von < 50% haben. Die Entscheidungsfindung basiert auf den Ergebnissen medizinisch-technischer Untersuchungen (Spiroergometrie, Rechtsherzkatheteruntersuchung), laborchemischer, mikrobiologischer und immunologischer Untersuchungen.

Kontraindikationen

• irreversible Erhöhung des Lungengefäßdruckes (fixierte pulmonale Hypertonie)

• bösartige Tumore (Malignome)

• akute Infektionen

• Suchtkrankheiten

• fortgeschrittene Schädigung der peripheren Organe (irreversible Niereninsuffizienz oder Leberinsuffizienz, COPD)

• eingeschränkte Mitarbeit seitens des Patienten

Von der Listung zur Transplantation

Wenn der Betroffene alle medizinisch geforderte Voraussetzungen erfüllt, wird er vom behandelnden Transplantationszentrum bei Eurotransplant (Leiden/Niederlande) als potentieller Organempfänger gelistet. Sobald ein passendes Spenderorgan vorliegt, benachrichtigt Eurotransplant das Transplantationszentrum, welches anschließend in Zusammenarbeit mit der DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation) für die Explantation und anschließend für die Implantation des Spenderorgans zuständig ist.

Grafik3

Die potentiellen Empfänger werden in Abhängigkeit von dem klinischen Status in verschiedenen Dringlichkeitsstufen eingeteilt:

Nicht-transplantabel (Status NT): Patienten die aufgrund aktuell bestehender Kontraindikationen nicht als HU gelistet werden können.

Transplantabel (Status T): Der Patient ist klinisch stabil und kann elektiv transplantiert werden.

High Urgent (Status HU): Der Patient ist höchstgradig instabil trotz einer medikamentösen Herzunterstützungstherapie und befindet sich in akuter Lebensgefahr.

Das passende Spenderorgan

Im Rahmen des von Eurotransplant geleiteten Allokationsverfahrens wird dem jeweiligen Empfänger das passende Organ zugeteilt (Blutgruppe, Größe, Gewicht, Wartezeit). Sogenannte Marginale Organe, d.h. nur bedingt verwendbare Organe, kommen nur in Ausnahmefällen in Frage.

Für eine Spende kommen Organe dann nicht in Frage wenn:

• der Spender HIV-infiziert ist

• der Spender an einem Malignom erkrankt ist

• der Spender an einer Kohlenmonoxidvergiftung verstorben ist

• der Spender an nicht therapierbaren Infektionen erkrankt ist

• eine Herzinfarktanamnese vorliegt

• eine ausgeprägte koronare oder andere Herzerkrankung (z. B. maligne Herzrhythmusstörungen) vorliegen

• die Sauerstoffsättigung des Spenders schlecht ist

Das Leben mit dem Spenderorgan

Nach der Herztransplantation ist grundsätzlich die komplette Wiedereingliederung in das berufliche und das soziale Umfeld möglich. Grundsätzlich müssen der transplantierte Patient und dessen Angehörige folgende Aspekte beachten:

Um Komplikationen wie eine Abstoßung des Spenderorgans vorzubeugen ist eine immunsuppressive Therapie notwendig. Die am häufigsten verwendeten Medikamente sind:

• Cyclosporin A

• Azathioprin

• Mycophenolat

• Tacrolimus

• Everolimus

• Rapamycin

• Methylprednisolon

Zur Diagnose einer Transplantatabstoßung werden in regelmäßigen Abständen klinische und medizinisch-technische Untersuchungen durchgeführt (Echokardiographie, EKG, Laboruntersuchungen). Bei Bedarf werden mittels der Myokardbiopsie Herzmuskelproben entnommen, die dann auf Zeichen einer Abstoßung untersucht werden.

Bei Verdacht auf eine Transplantatvaskulopathie (Verengung der Herzkranzgefäße), die eventuell im Langzeitverlauf auftreten kann, wird eine koronarangiographische Untersuchung durchgeführt. Diese kann häufig mit katheterinterventionellen Maßnahmen (Stentimplantation) erfolgreich behandelt werden.

Schließlich steigt aufgrund der immunsuppressiven Therapie das Risiko für Infektionen und malignen Erkrankungen.

Schlusswort

Die Herztransplantation ist die etablierte Therapie für die Behandlung der terminalen Herzinsuffizienz. Dank der Entwicklung auf dem Gebiet der immunsuppressiven Therapie sind die Langzeitergebnisse zufriedenstellend. Aktuell sind jedoch die Transplantationszahlen rückläufig. Die Ursache liegt in das bestehende Missverhältnis zwischen Organbedarf und Organangebot. Trotz der geplanten Änderungen des Transplantationsgesetzes ist nur bedingt mit dem Anstieg der Spenderzahlen zu rechnen. Das ist einer der Impulse für die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der mechanischen Kreislaufunterstützung.

Wichtige Links

www.eurotransplant.org

www.dso.de

www.aerzteblatt.de

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