Unterstützungssysteme

MECHANISCHE KREISLAUFUNTERSTÜTZUNG

1. Allgemein

Bei der Mechanischen Kreislaufunterstützung (MCS: Mechanical Circulatory Support) wird das Kreislaufsystem mithilfe einer mechanischen Herzpumpe aufrechterhalten. Das gewährleistet die Versorgung der peripheren Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Unterschieden wird nach:

1. Der Dauer der Unterstützung:

Kurzfristig: bis 7 Tage
Mittelfristig: bis 30 Tage
Langfristig: über 30 Tage

2. Der Art der Unterstützung:

Univentrikulär: Unterstützung des einen (in den meisten Fällen des linken) Herzventrikels
Biventrikulär: Unterstützung beider Herzventrikel

3. Dem Ziel der Unterstützung:

Bridge to Transplantation (BTT): Der Kreislaufwird unterstützt bis zum Zeitpunkt der Transplantation
Bridge to Recovery (BTR): Der Kreislauf wird unterstützt bis zur Erholung der Herzfunktion
Destination Therapy (DT): Das Unterstützungssystem wird als Alternative zur Herztransplantation eingesetzt

2. Geschichte der Mechanischen Kreislaufunterstützung:

1966: Erster erfolgreicher Einsatz einer pneumatischen Pumpe (luftgetriebene Pumpe) bei einer 33-jährigen Patientin zur Therapie eines akuten Herzversagens im Rahmen einer Herzklappenoperation

1985: Erster Fall einer erfolgreichen Überbrückung bis zur Herztransplantation mit einem pneumatisch getriebenen Kunstherz (CardioWest)

1986: Klinische Einführung des linksventrikulären Herzunterstützungssystems HeartMate I

1992: Erster Fall einer erfolgreichen Überbrückung bis zur Herztransplantation mit dem HeartMate I

1998: Erste Implantation einer miniaturisierten Herzpumpe (MicroMed DeBakey; Deutsches Herzzentrum Berlin)

1999: Erste Implantation eines komplett implantierbaren linksventrikulären Herzunterstützungssystems (LionHeart; Herzzentrum NRW)

2001: Publikation der Ergebnissen der ersten randomisierten, multizentischen Studie (REMATCH-trial). Patienten die mit einem linksventrikulären Herzunterstützungssystem behandelt wurden besaßen ein eindeutiges Überlebensvorteil gegenüber den rein medikamentös therapierten Patienten

2001: Erste Implantation eines linksventrikulären Herzunterstützungssystems mit einem magnetisch gelagerten Impeller (CorAide; Herzzentrum NRW)

2001: Erste Implantation eines komplett implantierbaren Kunstherzens (AbioCor)

2004: Erste Implantation des DuraHeart linksventrikulären Herzunterstützungssystems (Herzzentrum NRW)

2009: Erste Implantation des linksventrikulären Herzunterstützungssystems HeartAssist 5 (Universitätsklinik Heidelberg)

2009: Erster erfolgreicher Einsatz des komplett implantierebaren Kunstherzens ReinHeart im Tiermodel

3. Herzunterstützungssysteme

Systeme zur Mechanischen Kreislaufunterstützung werden unterschieden nach:

1. Den Implantationsort:

intrakorporal
parakorporal
extrakorporal

2. Den Antrieb:

pneumatisch
elektrisch

3. Den erzeugten Blutfluss:

pulsatil
Axial

4. Indikationen

4.1. Allgemein

Die Implantation eines Herzunterstützungssystems ist indiziert bei einem akuten oder chronischen Herzversagen auf der Grundlage:

• einer dilatativen Kardiomyopathie
• einer ischämischen Kardiomyopatie
• einer fulminanten Myokarditis
• einer akuten Abstoßung nach Herztransplantation
• einer postpartalen Kardiomyopathie
• einer Transplantatabstoßung
• eines ausgedehnten Myokardinfarktes
• eines Postkardiotomiesyndroms
• einer valvulären Kardiomyopathie
• einer Intoxikation

Ein Kunstherz wird grundsätzlich dann eingesetzt wenn die Implantation eines linksventrikulären Herzunterstützungssystems nicht möglich ist (große Gerinnsel, Shuntvitien, ausgedehnter Herzmuskelschaden in Folge eines Herzinfarktes).

Neben der medizinischen sind bei der Indikationsstellung weitere Faktoren zu berücksichtigen. Ein stabiles familiäres und soziales Umfeld und eine ausreichende Kooperationsbereitschaft des Betroffenen sind Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie.

4.2. Bridge to Transplantation (BTT)

Das Ziel dieses Therapiekonzeptes besteht darin, das Überleben des Patienten bis zur Transplantation zu sichern und ein Versagen der peripheren Organe vorzubeugen (Nieren, Leber).

Die Voraussetzung ist, dass der Patient die Kriterien für eine Herztransplantation erfüllt. Die klinische Erfahrung zeigt, dass diese Patienten von einer frühen Implantation eines Herzunterstützungssystems deutlich profitieren.

4.3. Bridge to Recovery (BTR)

Eine Erholung der Herzfunktion unter der mechanischen Kreislaufunterstützung ist typischerweise zu erwarten bei :

• einer fulminanten Herzmuskelentzündung
• einer akuten Transplantatabstoßung
• einem Rechtherzversagen nach Herztransplantation
• einem primären Transplantatversagen
• einer postpartalen Kardiomyopathie

Im Fall einer dilatativen Kardiomyopathie ist mit der Erholung der Herzfunktion nur in < 10% der Fälle zu rechnen.

4.4 Destination Therapy (DT)

Die Implantation eines Herzunterstützungssystems als Alternative zur Herztransplantation ist für die Patienten indiziert die zwar an einer terminalen Herzinsuffizienz leiden, jedoch aufgrund verschiedener Faktoren keine Transplantationskandidaten sind.

Aufgrund der demographischen Entwicklung sowie des Mangels an geeigneten Spenderorganen zeichnet sich bereits ab, dass dieses Therapiekonzept für die Zukunft bestimmend sein wird. Die Ergebnisse der aktuell eingesetzten Herzunterstützungssysteme sind vergleichbar mit denen der Herztransplantation.

5. Zusammenfassung

Die Mechanische Kreislaufunterstützung ist inzwischen eine bewährte Therapieform für Patienten mit einer terminalen Herzinsuffizienz. Die bisherige Erfahrungen zeigen, dass es möglich ist sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität der Betroffenen signifikant zu verbessern. Bereits die aktuell angewandte Technologie ermöglicht den Langzeiteinsatz dieser Systeme. Die weitere Entwicklung wird mittelfristig den Einsatz dieses Therapiekonzeptes als eine vollwertige Alternative zur Herztransplantation ermöglichen.

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